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Diabetes Healthtipps

Digitale Teilhabe erleichtert das Diabetesmanagement im Alter

Die Corona-Pandemie hat es gezeigt: Mithilfe digitaler Technologien ist auch während eines Lockdowns ein soziales Miteinander möglich. Keine Frage: Natürlich ist es schöner, seine Liebsten in den Arm zu nehmen, statt sie nur auf einem Bildschirm zu sehen, und zweifelsohne ist ein Treffen via Zoom nicht dasselbe, wie ein gemeinsames Abendessen. Aber ein Austausch über Videotelefonie und das tägliche Foto vom Enkelkind auf dem Smartphone sind besser als nichts. „Leider“, sagt Prof. Bernhard Kulzer, „gibt es hier in vielen Bereichen und insbesondere bei den älteren Menschen noch sehr viel Nachholbedarf.“ So zum Beispiel in vielen Pflegeheimen, in denen man gerade zu Zeiten, in denen Besuche kaum oder gar nicht erlaubt waren, Möglichkeiten hätte schaffen können und müssen, die Bewohner digital mit ihren Angehörigen zu verbinden. Doch es fehlt an Personal und für digitale Aufrüstung braucht es jemanden, der sich kümmert. „Die Menschen sind durchaus offen für digitale Lösungen“, ist Prof. Bernhard Kulzer überzeugt, „vor allem, wenn sie das Gefühl haben, dass diese mit einem erlebbaren Nutzen verbunden sind. Das ist dann der Fall, wenn sich etwas nachhaltig positiv auf die Lebensqualität auswirkt.

Lebensqualität mit Diabetes

Dem Fachpsychologen Bernhard Kulzer zufolge hängen Lebensqualität und psychologisches Wohlbefinden älterer Menschen maßgeblich von drei Faktoren ab: von körperlicher und geistiger Gesundheit, einem sicheren und selbstbestimmten Leben und sozialer Integration. Im Zusammenhang mit Diabetes spielen dabei zusätzlich folgende Therapieziele eine Rolle: die Vermeidung von Hypoglykämien und das Verhindern von Pflegebedürftigkeit. Beides kann, wenn möglich, auch durch ambulante Versorgung gewährleistet werden. Mit dem Ziel, das Leben in den eigenen vier Wänden so lange, wie es geht, sicherzustellen.

Soziale Teilhabe durch digitale Teilhabe

Digitale Möglichkeiten können ältere Menschen effektiv unterstützen. Dabei, am Leben in der Gemeinschaft teilzuhaben, und auch dabei, ihren Diabetes zu managen. Eine wichtige Rolle spielen Prof. Kulzer zufolge Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung, die den Anwender rechtzeitig warnen, wenn die Werte sich in die falsche Richtung bewegen. „Hier kann auch die Follower-Funktion, über die es Angehörigen möglich ist, Werte einzusehen und auch Warnungen zu erhalten, sehr hilfreich sein“, sagt der Diabetes-Fachpsychologe und erzählt von einem älteren Patienten, der sich dadurch zunächst überwacht fühlte: „Ich hasse es, dass meine Kinder meine Werte sehen, aber es ist die einzige Chance, auch weiterhin alleine leben zu können“, habe der ältere Herr anfangs gesagt, erinnert sich Kulzer. Inzwischen habe der Patient es schätzen gelernt, zu wissen, dass es jemanden gibt, der mit drauf schaut und im Notfall schnell handeln kann. Es gibt ihm und seiner Familie ein Gefühl von Sicherheit – eine Win-win-Situation.

Nutzen erleben durch einfache Technik

„Das ist das, was ich erlebbaren Nutzen nenne“, sagt Bernhard Kulzer. „Jeder kann profitieren und wenn wir hier von älteren und alten Menschen sprechen, dann sprechen wir nicht von einer homogenen Gruppe. Es gibt Achtzigjährige, die sehr technikaffin sind, und es gibt Sechzigjährige, die ihre Schwierigkeiten mit digitalen Technologien haben.“ Der Fachpsychologe, der im Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim tätig ist, fordert, dass die Therapie für Ältere noch besser handhabbar werden muss. Die Systeme müssen leicht zu bedienen sein und auch bei kleineren Anwendungsfehlern funktionieren. Ohne dass es jedes Mal Hilfe von außen braucht und der Anwender sich abhängig fühlt. Gut seien Geräte,
die nicht zu viele Funktionen und Wahlmöglichkeiten anbieten. Das verwirrt eher, als dass es hilft. Viel wichtiger sei es, wenn Muster erkannt und automatisch Therapievorschläge gemacht werden. Auch die Option, Schriftgröße und Helligkeit des Displays anzupassen, sei von Bedeutung. Praktisch findet Prof. Kulzer schlauchlose Insulinpumpen: „Da kann sich nichts verheddern!“

Smarte Alltagshelfer

Neben anwenderfreundlichen Diabetesmanagement-Systemen gibt es eine Vielzahl weiterer smarter Alltagshilfen für alte Menschen. Angefangen bei Pillendosen mit Erinnerungsfunktion über Abschaltvorrichtungen für den Herd bis hin zu SOS-Armbändern oder Notfallknöpfen. Weitere smarte Erfindungen sind Gehstöcke mit Bewegungssensoren, die Gewohnheiten ihrer Benutzer speichern und dazulernen können, um dann unübliche Situationen wie Stürze oder geringe Aktivität zu erkennen und sofort reagieren zu können, indem Kontaktpersonen eine Nachricht auf ihr Smartphone erhalten. Eine ähnliche Möglichkeit bieten Teppiche, die sowohl einen unsicheren Gang als auch Stürze erkennen. Das Angebot alltagstauglicher Assistenzlösungen ist groß. Verfolgt werden dabei vor allem zwei Ziele: das rechtzeitige Erkennen und die Abwehr von Gefahren und bedingt dadurch ein möglichst langfristiges Leben in den eigenen vier Wänden.

Medienkompetenz

Nicht jeder, der Zugang zu digitalen Möglichkeiten hat, kann gleichzeitig auch teilhaben. Voraussetzung dafür ist die Kompetenz im Umgang mit der Technik. Hier brauchen alte Menschen Unterstützung. Von den Angehörigen, von Diabetesberatern, durch Schulungen oder durch den Digitalen Engel. Die Initiative von „Deutschland sicher im Netz e.V.“ vermittelt älteren Menschen praxisnah, persönlich und vor Ort, wie die täglichen Abläufe und Gewohnheiten durch digitale Anwendungen bereichert und erleichtert werden können. Hierfür fährt der Digitale Engel mit einem Infomobil durch die ländlichen Regionen Deutschlands.

 

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