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CGM- und AID-Systeme

CGM – was ist das?

Schluss mit mehrmals täglich blutig messen. Stattdessen reicht ein kleiner Sensor und der Blick auf ein Empfangsgerät. Die Abkürzung „CGM“ steht für „Continuous Glucose Monitoring“ (Kontinuierliche Glukosemessung), dabei wird der Glukosegehalt in der Zwischenzellflüssigkeit des Unterhautfettgewebes rund um die Uhr von einem Sensor gemessen und an ein Empfangsgerät geschickt, von dem sich dann die Werte ablesen lassen. Zusätzliches Plus: Das Messen mit einem konventionellen Blutzuckermessgerät liefert immer nur eine Momentaufnahme, während das CGM mit bis zu 144 Messungen pro Tag eine Verlaufskurve zeichnen kann. 1999 kam das erste Messsystem dieser Art auf den Markt. Seitdem hat sich die Technik ständig weiterentwickelt. Für den täglichen Einsatz bei Patienten mit Typ-1-Diabetes zugelassen sind CGM-Systeme seit 2005. Am 6. September 2016 ist die Glukosemessung mit Real-Time-Messgeräten (rtCGM), also Systeme, die die Werte in Echtzeit ermitteln, offiziell in die vertragsärztliche Versorgung aufgenommen worden. Damit wurde die lang erwartete Voraussetzung für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen geschaffen. Heute haben CGM-Systeme nicht nur einen hohen qualitativen Standard, sie werden auch als Teil eines geschlossenen Systems zur Insulinversorgung (Closed Loop) genutzt, das die Diabetesbehandlung revolutioniert.

Wie funktionieren CGM-Systeme?

Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung ermitteln bei Menschen mit Diabetes den Gewebezucker (nicht den Blutzucker) und zeigen den Wert – je nach System – alle fünf bis zehn Minuten auf dem Smartphone oder einem separaten Empfangsgerät an.

Sie zeigen außerdem in Form von Pfeilen einen Trend an, in welche Richtung sich der Zuckerwert in der nächsten Zeit entwickeln wird. Diese Trendanzeige bezieht sich allerdings auf den Gewebezucker. Steigt oder fällt der Blutzucker sehr schnell, dauert es eine gewisse Zeit, bis diese Veränderung auch im Gewebezucker zu bemerken ist, sodass die Trendanzeige der Veränderung des Blutzuckers – in solchen Ausnahmesituationen – hinterherhinken kann.

Im Empfangsgerät werden die Werte gespeichert sowie in Form von Diagrammen und Statistiken dargestellt. Zur Auswertung stellen die Hersteller der CGM-Systeme Software zur Verfügung.

Durch die etwa 144 Einzelwerte am Tag ergibt sich bei der kontinuierlichen Glukosemessung ein umfassendes Gesamtbild der Stoffwechsellage. Unterzuckerungen und Schwankungen, besonders auch nachts, können aufgedeckt und durch Anpassungen in der Therapie reduziert bzw. verhindert werden.

Darüber hinaus verfügen die Empfangsgeräte über zahlreiche Alarmfunktionen. Je nach CGM-System können die etwas variieren. Standard ist aber zum Beispiel ein Alarm bei Verlassen des Zielbereichs und bei schnellen Änderungen der Zuckerwerte.

Wie ist ein CGM-System aufgebaut?

Das Grundprinzip ist bei allen Systemen dasselbe, ebenso wie die Bestandteile, die ein CGM-System ausmachen:

1. Der Glukose-Sensor (Messelektrode)

Um den Glukosegehalt in der Gewebeflüssigkeit messen zu können, wird ein kurzer Sensorfaden ins Unterhautfettgewebe eingebracht. Das passiert mittels einer sogenannten Einführhilfe (Serter), die das Fädchen sozusagen auf Knopfdruck ins Gewebe „schießt“. Das ist in der Regel schmerzlos. Der Sensorfaden kann – je nach System – bis zu 14 Tage liegen bleiben, bevor er gewechselt werden muss. Der Sensor ist ein steriler Einmalartikel, der nach Gebrauch entsorgt wird.

Eine Besonderheit bietet hier das Langzeit-CGM System Eversense E3 von Ascensia. Hier wird ein implantierter Sensor bis zu 180 Tage unter der Haut getragen. Als Empfänger dient das Smartphone, auf dem die Werte angezeigt werden.

Praktisch wäre, wenn die Kanüle eines Infusionssets gleichzeitig die Glukosewerte messen könnte. Bis jetzt ist das leider noch nicht möglich, aber an einer solchen „Single Port-Lösung“ wird zurzeit geforscht.

2. Der Sender und Transmitter

Ein Sender überträgt die Messwerte dann an das Empfangsgerät. Bei den meisten CGM-Systemen wird er auf den Sensor mit dem Sensorfaden aufgesteckt. Der Transmitter überträgt dann das Messsignal aus dem Sensor per Funk oder Bluetooth an den Empfänger bzw. das Smartphone. Er klebt von außen sichtbar auf der Haut und kann mehrmals verwendet werden. Energie erhält er über eine Batterie oder einen Akku.

3. Der Empfänger

Verarbeitet, dargestellt und gespeichert werden die gemessenen Glukosewerte schließlich in einem externen Empfangsgerät. Hier werden die Werte alle fünf bis zehn Minuten aktualisiert und können abgelesen werden. Bei den Empfangsgeräten gibt es drei Varianten:

  • Der Wert wird auf einem eigenen Empfänger dargestellt
    • Dexcom G6
    • Guardian Connect
    • Glucomen Day
  • Der Wert wird in der Smartphone-App angezeigt
    • Dexcom G6
    • Guardian Connect
    • Eversense CGM
    • Glucomen Day
  • Der Wert wird direkt im Display der Insulinpumpe angezeigt
    • Medtronic Minimed 640G/670G/770G/780G

 

Wichtig: CGM-System bedeutet nicht komplett „Ade Blutzuckermessen“

CGM-System heißt nicht automatisch nie wieder blutig messen. Eine Blutzucker-Selbstkontrolle wird bei der kontinuierlichen Glukosemessung nicht komplett überflüssig. Zwar kommen viele CGM-Systeme ohne regelmäßiges Kalibrieren aus, dennoch ist es ratsam, dies hin und wieder zu tun. Besonders wenn ein Sensor ungenaue Glukosewerte liefert. Dazu wird der Blutzucker ein- bis dreimal täglich konventionell gemessen und der Wert anschließend in den Empfänger eingegeben.

 

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