Wenn Essen plötzlich geplant werden muss

Wenn ein Mensch mit Diabetes an Essen denkt, woran denkt er dann als erstes? Im Idealfall an Genuss – so wie die meisten gesunden Menschen auch. An Genuss und in irgendeiner Form an die Auswirkung der Nahrung auf die Grundbedürfnisse seines Körpers. Für Menschen ohne Diabetes (oder ähnliche Erkrankungen, die das Ernährungs-Verhalten beeinflussen können) lässt sich das Ganze auf „gesund“ oder „ungesund“ herunterbrechen. Und würde man diese Personen fragen, was sie glauben, worüber sich Menschen mit Diabetes Gedanken im Bezug auf Essen machen, ginge es dabei höchstwahrscheinlich um Verbote.

Bevor ich an Genuss denke, denke ich an mein Leben!

Teller mit Essen neben Besteck

In Wahrheit stecken hinter der eingangs gestellten Frage noch mehr Fragen und auf keinen Fall eine einfache Antwort. In meinem Alltag – also bezogen auf das Leben mit Typ-1-Diabetes - folgt auf das Vorhaben, etwas zu essen, diese Gedankenspirale: „Wie ist mein Blutzuckerwert gerade? Brauche ich zum Mahlzeiten-Bolus auch Insulineinheiten zur Korrektur? Wenn ich dies oder jenes esse, wie viel Spritz-Ess-Abstand sollte ich dann einplanen? Und wie viele Kohlenhydrate hat dieses Essen überhaupt? Kommen da noch Fett-Protein-Einheiten zu? Bewege ich mich nach der Mahlzeit noch ungewöhnlich viel? Oder sehr wenig? Wie viel möchte ich eigentlich essen? Esse ich auswärts, kommt natürlich noch die Frage dazu, wie schnell das Essen in etwa aufgetischt werden wird und dann noch der Moment, in dem man hofft, den dazu bestellten Wein richtig zu berechnen. Mache ich mir all diese Gedanken nicht, kann das Folgen haben.

Ist da Raum für Genuss?

Diese Darstellung ist durchaus ein wenig überspitzt, aber es ist nun einmal so, dass das Thema Essen nach der Diabetes-Diagnose eine andere Aufmerksamkeit erfordert. Dennoch: Man gewöhnt sich an alles! An den meisten Tagen ist es für mich einfach normal, die Gedanken vor dem ersten Bissen ganz nebenbei durchzugehen – messen, nachdenken, Insulin injizieren, genießen. Und trotzdem gibt es diese Momente, in denen ich mich so gerne daran zurück erinnere, wie es war, als ein Glas frischer O-Saft zum Frühstück etwas total Unkompliziertes war und man sich nicht innerlich „viel Glück“ wünschte, während man diesen getrunken hat. Aber den Genuss hat mein Diabetes nicht gemindert. Vielleicht habe ich sogar erst dadurch gelernt, Essen bewusst zu genießen.

Eure

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