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Tobias - Schwindelfrei mit Diabetes

Interview mit Tobias, 40 JahreTobias - Schwindelfrei mit Diabetes

Für seinen Job muss Tobias schwindelfrei sein, denn er führt ihn regelmäßig aufs Dach. Der Zimmermeister arbeitet in der Projektleitung eines Handwerksbetriebs und ist beruflich viel unterwegs.

Mit Tobias haben wir über das Thema Beruf und Diabetes gesprochen.

DiaExpert: Tobias, seit wann haben Sie Diabetes und wie sieht Ihre Therapie aus?
Tobias: Seit Dezember 1994, also gut 20 Jahre. Seit 8 Jahren habe ich eine Insulinpumpe, die Accu-Chek Combo.

DiaExpert: Schildern Sie uns doch einmal Ihren Berufsalltag.
Tobias: Gut zwei Drittel der Arbeitswoche fahre ich mit raus auf die Baustellen. Wir stellen ganze Häuser aus Holz auf. Das heißt, man hat auf dem Dach zu tun, aber man hat zum Teil auch festen Boden unter den Füßen. Wenn wir Baustellen weiter entfernt haben, stehe ich um halb vier auf. Um fünf bin ich auf der Arbeit, anschließend fahren wir oft noch zwei Stunden zur Baustelle hin. Abends bin ich dann erst um acht zu Hause. Das ist ein langer, harter Arbeitstag.

DiaExpert: Wie lässt sich das mit dem Diabetes vereinbaren?
Tobias: Die Insulinpumpe ist auf meinen Berufsalltag eingestellt, das heißt auf eine Mischung aus Schreibtischarbeit und handwerklicher Arbeit. Wenn ich weiß, der Tag wird heute hart, weil wir zum Beispiel ein Dach decken, dann senke ich die Basalrate auf 70 bis 80 %. Wenn ich weiß, es geht im Büro ruhiger zu, dann erhöhe ich die Basalrate auf 120 bis 130 %. Das funktioniert ganz prima.

DiaExpert: Schränkt Sie der Diabetes bei der Arbeit ein?
Tobias: Als Einschränkung sehe ich den Diabetes nicht. Er läuft immer mit und man muss immer daran denken, aber dass ich benachteiligt wäre, gegenüber den Arbeitskollegen, das denke ich nicht.

DiaExpert: Wie kommt es, dass Sie mit Typ-1-Diabetes auf dem Dach arbeiten? Das ist ja eher ungewöhnlich.
Tobias: Als ich Diabetes bekam, war ich im zweiten Ausbildungsjahr zum Zimmermann. Abbrechen kam für mich nicht in Frage. „Das ziehe ich durch“, habe ich mir gesagt. Ich bin mit Holz groß geworden, aufgewachsen in der Werkstatt meines Opas, der war Schreiner. Und da war mir damals schon klar: Das ist es, was ich machen will. Ich habe erst Schreiner gelernt und dann noch zwei Jahre die Ausbildung zum Zimmermann drangehängt. Hinzu kam: Ich habe einige Verwandte, vor allem väterlicherseits, die auch an Typ-1-Diabetes erkrankt sind. So habe ich schon früh mitbekommen, wie die damit im Beruf klar gekommen sind. Also habe ich mich damit arrangiert.

DiaExpert: Wissen der Chef und die Kollegen Bescheid?
Tobias: Ja. Hilfe von Kollegen im Notfall habe ich noch nie gebraucht. Die meisten sehen es mir schon an, wenn die Werte niedrig sind. Dann heißt es „Leister geh mal hin und iss was.“ Die Kollegen kennen mich und wissen mit dem Diabetes ganz gut Bescheid. Da bin ich zufrieden und stolz drauf. Den Diabetes sprechen wir auch alle zwei Jahre bei unseren Ersthelferkursen an. Ich schäme mich nicht vor den Kollegen. Ich treffe manchmal andere, bei denen habe ich das Gefühl, die halten sich bei der Arbeit eher bedeckt. Vielleicht weil sie denken, man hält sie für weniger leistungsfähig. So denke ich nicht.

DiaExpert: Was würden Sie anderen raten, wenn es um den Job geht?
Tobias: Man soll sich nicht durch den Diabetes abschrecken lassen, sondern das durchziehen, was man vor Augen hat. Das klappt, selbst auf dem Bau. Ich sag dann immer: „ Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist!“