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Recht & Soziales

Schwerbehinderten­ausweis bei Diabetes?

Schwerbehindertenausweis bei Diabetes?

Kennen Sie Ihre Rechte und Pflichten? Diabetes als chronische Erkrankung hat Auswirkungen auf viele Lebensbereiche. Dabei spielen finanzielle und rechtliche Aspekte eine große Rolle. Nicht immer fühlen sich Menschen mit Diabetes gerecht behandelt und beklagen die Anwendung pauschaler Kriterien, zum Beispiel bei der Berufswahl. Deshalb ist es wichtig zu wissen, welche Rechte und auch Pflichten mit Diabetes verbunden sind. In diesem Beitrag erfahren Sie alles zum Thema Schwerbehindertenausweis.

Viele Bereiche sind betroffen

Schwerbehindertenausweis – ja oder nein? Diese Entscheidung, auch seitens des zuständigen Amtes, hat wichtige Auswirkungen auf die Bereiche Beruf und Steuern. Welche dies sind, stellen wir auf den folgenden Seiten dar. Ein anderes Thema ist die Teilnahme am Straßenverkehr. Hier gibt es für Menschen mit Diabetes zahlreiche Vorschriften und „Fallen zu beachten. Fakten schafft der Diabetes zudem beim Thema Versicherungen: Betroffenen wird es seitens der privaten Anbieter häufig schwer gemacht, bestimmte Versicherungen zu bezahlbaren Konditionen abzuschließen.

Der Schwerbehinderten­ausweis

Auch wenn Menschen mit Diabetes zu Recht von sich behaupten werden „Ich bin doch nicht behindert“, zählt der Diabetes zu den Erkrankungen, welche die Feststellung einer Behinderung im rechtlichen Sinne (gem. §2 Sozialgesetzbuch IX) ermöglichen können. Damit stehen ihnen nach dem Gesetz „Nachteilsausgleiche“ für Einschränkungen im beruflichen und sozialen Leben zu.

Ein Schwerbehindertenausweis wird auf Antrag beim örtlich zuständigen Versorgungsamt ausgestellt. Dieses Amt entscheidet auch über den Grad der Behinderung. Dieser gilt so lange, bis die Behörde den Bescheid aufhebt.

Grad der Behinderung (GdB) entscheidend

Eine Behinderung wird nicht pauschal festgestellt. Vielmehr wird über den Grad der Behinderung (GdB) für jeden Antragsteller individuell entschieden. Er gilt als Maß für die sozialen Auswirkungen und Beeinträchtigungen. Die GdB Skala reicht von 0 bis 100. Ab einem GdB von 50 spricht man von einer Schwerbehinderung.

Einen Antrag stellen

Schwerbehindertenausweis bei Diabetes?

Einen Antrag auf die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises bzw. auf Festlegung des Grades der Behinderung können sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker stellen. Entscheidend ist der Grad aller vorliegenden Beeinträchtigungen, wobei die einzelnen Beeinträchtigungen nicht einfach addiert werden.

Maßgeblich für die Feststellung des Grades der Behinderung sind die versorgungsmedizinischen Grundsätze aus der Anlage zur Versorgungsmedizinverordnung. Ein GdB von 50 (also eine Schwerbehinderung) kann festgestellt werden bei „an Diabetes erkrankten Menschen, die eine Insulintherapie mit täglich mindestens vier Insulininjektionen durchführen, wobei die Insulindosis in Abhängigkeit vom aktuellen Blutzucker, der folgenden Mahlzeit und der körperlichen Belastung selbstständig variiert werden muss, und durch erhebliche Einschnitte gravierend in der Lebensführung beeinträchtigt sind […]. Die Blutzuckerselbstmessungen und Insulindosen (bzw. Insulingaben über die Insulinpumpe) müssen dokumentiert sein (Anlage zu §2 Versorgungsmedizinverordnung; Teil B, Nr. 15.1).“

Diese Unterlagen sind erforderlich

  • Antrag auf Schwerbehinderung mit umfassenden Angaben zu allen Krankheiten und Beeinträchtigungen sowie zu den behandelnden Ärzten, Krankenhäusern etc. Dort fordert das Versorgungsamt aktuelle Befunde an.
  • Eventuell ein Facharztgutachten, wenn das Versorgungsamt dies verlangt.
  • Dokumentation der Diabetestherapie mit Angabe der Blutzuckermessungen und Insulingaben, am besten am PC (zum Beispiel mit der Software Diabass).
  • Ausführliche Begründung, warum der Diabetes Einschränkungen und Einschnitte in der Lebensführung bedeutet.

Die wichtigsten „Nachteilsausgleiche“

  • Besonderer Kündigungsschutz (siehe auch „Diabetes im Berufsleben“)
  • Anspruch auf fünf zusätzliche, bezahlte Urlaubstage pro Jahr
  • Freistellung von Mehr- und Schichtarbeit auf Verlangen
  • Mögliche vorgezogene Altersrente (in der Regel aber unter finanziellen Einbußen)
  • Steuerermäßigungen (z.B. abziehbarer Pauschalbetrag von derzeit € 570,– bei einem GdB von 50); unter bestimmten Voraussetzungen wird auch bereits bei einem GdB von mindestens 25 ein Pauschalbetrag gewährt.

Was spricht gegen einen Schwerbehinderten­ausweis?

  • Für jugendliche Diabetiker, die auf Arbeitsplatzsuche sind oder am Anfang ihres Berufslebens stehen, kann die Schwerbehinderung zu Benachteiligungen führen.
  • Ein Schwerbehindertenausweises kann zu Minderwertigkeitskomplexen oder anderen Persönlichkeitsproblemen führen.
  • Der erhöhte Kündigungsschutz bringt erst dann etwas, wenn man einen Arbeitsplatz hat.
  • Bei vielen Versicherungen wird mittlerweile nach festgestellten Behinderungen gefragt; dies muss wahrheitsgemäß beantwortet werden.

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