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Kita & Schule

Bestens aufgehoben bei den Zuckerschnecken

Am Anfang stand ein Organisationsproblem: Das Team der „Pflegeexperten“, das im Kreis Hameln-Pyrmont regelmäßig Kinder mit Diabetes betreut, konnte unmöglich alle Kinder, die zu einer bestimmten Zeit Mittagspause hatten, gleichzeitig versorgen. „Warum also die Kinder nicht gemeinsam an einem Ort betreuen?“, fragte sich Alexander Boche, der das Pflege-Startup vor fünf Jahren gegründet hat. Sein guter Draht zur Wunsch-Kindertagespflege, den „WuKis“ aus Aerzen, brachte die Lösung: eine gemeinsame Einrichtung für Kinder mit und ohne Diabetes, bei der die WuKis den pädagogischen und die Pflegexperten den medizinischen Part übernehmen.

Im März 2020 war der Startschuss: Zehn Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren werden hier seitdem betreut. Flexibel und individuell zwischen 6 bis 18 Uhr. Aktuell sind drei Kinder mit Diabetes darunter, Ziel ist es, fünf Kinder mit und fünf ohne Diabetes zu versorgen, damit alle einen ganz normalen Umgang erlernen. „In anderen Kitas ist man schnell der Sonderling, weil man aus der Gruppe herausgenommen wird und eine Extrabehandlung bekommt“, sagt der 28-jährige Gründer. „Hier ist das überhaupt kein Thema, weil der Pfleger Teil des Teams ist und die BE schon im Blick hat, bevor sie auf den Teller kommen.“ Eine bewusste Ernährung und der richtige Umgang mit Diabetes werden so ab dem ersten Tag erlernt.

Eltern, die für ihr Kind mit Diabetes hier einen Platz bekommen, können aufatmen: „Schon bei der Eingewöhnung merken sie, dass die Pflegefachkraft Hintergrundwissen hat, sodass sie beruhigt nach Hause oder zur Arbeit gehen können und wissen: Es läuft“, sagt Boche. Und weil die medizinische Versorgung von den Krankenkassen übernommen werden kann, entstehen auch keine zusätzlichen Kosten.

Warum es bislang kaum Einrichtungen dieser Art gibt? „Es gibt kein Muster, und viele haben Respekt vor der  Verantwortung.“ Als Unternehmer weiß Alexander Boche außerdem, dass sich mit dem Projekt kaum Geld verdienen lässt. „Aber: Wir haben Spaß an der Sache, die Rückmeldungen sind motivierend und wenn das Herz am rechten Fleck ist, sind die Hürden gar nicht so hoch.“

Weitere Informationen unter d-pe.de/versorgung-kids-mit-diabetes

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