Indem Sie unsere Website weiterhin nutzen, erteilen Sie uns Ihre Einwilligung in die Verwendung der Cookies. Wir verwenden Cookies, um die Zugriffe auf unsere Website und die Effektivität von Facebook-Werbeanzeigen zu analysieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit des Opt-out finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Warenkorb 0

Sie haben keine Artikel im Warenkorb.

Menü

Halb Mensch, halb Maschine

5. September 2018

Halb Mensch, halb Maschine – was die Technik mit meinem Kopf macht

Halb Mensch, halb Maschine – Was die Technik mit meinem Kopf machtFrüher, da war ich frei. Und mit „früher“ meine ich nicht mal zwingend die Zeit vor dem Diabetes – den habe ich schon mit 8 Jahren bekommen und kann mich an ein Leben ohne ihn gar nicht erinnern. Nein, mit „früher“ meine ich in diesem Fall die Zeit, bevor ich eine Pumpe trug und dazu einen Sensor – und genau um diese Technik soll es heute gehen. Mir war diese „Freiheit“ immer sehr wichtig. Ich hatte nichts an meinem Körper: Mein Messgerät und der Pen waren in der Handtasche verstaut. Doch irgendwann entwickelt sich die Technik weiter, Sensoren zur kontinuierlichen Glukoseüberwachung sind der Standard geworden. Und natürlich entwickelt man sich auch selbst weiter – während für mich die oberste Priorität war, bloß nicht dauerhaft mit einem „Diabetesgerät“ wie einer Pumpe verbunden zu sein, stehen für mich heute meine Gesundheit und die bestmöglichen Therapiemöglichkeiten an erster Stelle. Auch wenn das bedeutet, dass ich ein kleiner Cyborg bin. Batteriebetrieben, quasi.

Doch was macht das eigentlich mit meiner Psyche?
Ich war immer ein sehr panischer Diabetiker. Als es noch keine Sensoren zur kontinuierlichen Glukoseüberwachung gab, habe ich mir teilweise bis zu 20 Mal am Tag den Blutzucker gemessen – also gut und gerne jede halbe Stunde. Mein Blutzuckerverlauf, meine Krankheit erschien mir absolut unberechenbar. Bei Werten, die noch absolut im Normbereich waren, hatte ich bereits große Angst, in eine Unterzuckerung zu rutschen. Dass das absolut irrational ist, weiß ich – aber ändert mal fest eingebrannte Verhaltensmuster. Insofern war der Einsatz eines CGM-Sensors, der meinen Gewebszucker dauerhaft überwacht und mir eine Tendenz mit Pfeilen anzeigt, wirklich lebensverändernd: Zum ersten Mal konnte ich direkt mitverfolgen, wie sich meine Werte in welchen Situationen verändern. Ich weiß, dass ich gewarnt werde, bevor ich in eine schlimme Hypo rutsche. Nicht nur mein Hba1C, sondern auch meine Lebensqualität haben sich drastisch verbessert.

Doch was ist die Kehrseite der Medaille? Ich für mich persönlich muss sagen, dass ich ohne CGM nicht mehr zurechtkommen würde. Trotz der Warnungen beobachte ich meinen Blutzucker mit Argusaugen, habe jede kleinste Veränderung der Trendpfeile im Blick. Ja, manchmal triggern diese meine Hypo-Angst und ich fange bei einem sinkenden Pfeil zu Essen an, auch wenn dies gar nicht nötig wäre. In den Stunden, die mein Sensor nach dem Setzen zum Aufwärmen benötigt, verfalle ich in alte Muster und messe meinen Blutzucker öfter mit dem klassischen Messgerät, als nötig wäre. Und ich weiß genau: Würde ich keinen Sensor tragen, würde ich ebenso in meine vorherige Verhaltensweise zurückfallen und meine Werte höher halten, als nötig.

Obwohl also die sensorunterstützte Therapie auf dem Zeitstrahl meiner Diabeteskarriere nur einen winzigen Teil ausmacht, könnte ich mittlerweile nicht mehr ohne sie. Ich bin mehr als dankbar für diese Technik, denn ohne sie wären meine Werte immer noch jenseits von Gut und Böse - doch es ist erschreckend, wie schnell man sich an sie gewöhnt!

Wie sind eure Erfahrungen in dieser Hinsicht? Wie sehr verlasst ihr euch im Alltag auf den Sensor – oder glaubt ihr, ohne Einbußen bei der Therapiequalität sofort wieder zum blutigen Messen zurückkehren zu können? Ich freue mich darauf, von euch zu lesen!

Ramona

Unsere DiaBloggerin Ramona

Unsere DiaBloggerin RamonaIch bin Ramona, Jahrgang 1991, lebe in Nürnberg und blogge seit 2016 auf www.tattoostravelstypeone.de über das Leben als eine von 300.000 Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 in Deutschland. Mein Fokus liegt hierbei auf dem Alltag mit Diabetes und meinen Therapieformen, dem Reisen und der Körperkunst. Meine Dauerbegleiter hierbei sind meine mylife YpsoPump und mein Dexcom rtCGM.

Nachdem meine Eltern in meiner Kindheit sämtlichen Diabetikerbedarf in der Apotheke geholt haben, habe ich erst im Erwachsenenalter von Diabetesversandhändlern wie DiaExpert erfahren – und bin dabei geblieben! Die persönliche Beratung vor Ort und die Verfügbarkeit aller notwendigen Materialen machen für mich den größten Mehrwert aus.

1 Kommentare

Svenja:

Hey Ramona,
als ich deinen Text gelesen habe, dachte ich nur:"Wow..., genau wie ich..." Habe meine Werte auch immer höher gehalten als nötig und bei normalen Zuckerwerten gut gerne mal ein Stückchen Schoki mehr gegessen. Ich habe auch den Dexcom und geb den nie nie nie wieder her. Er gibt mir soviel mehr Sicherheit mit meinen Werten und das brauche ich auch, denn ich bin überwiegend mit dem Auto unterwegs. Ich habe seit 1998 Diabetes Typ 1 und trage seit 2006 eine Pumpe; das Gefühl ständig verkabelt zu sein, konnte ich mir vorher nie im Leben vorstellen. Doch wie es das Leben so will, half das Langzeitinsulin nicht mehr und so stieg ich um auf Pumpe. Aus heutiger Sicht ist es die beste Entscheidung, die ich je treffen konnte. Ich bin unabhängiger, brauch nicht am Wochenende den Wecker stellen, nur um mal schnell Basal zu spritzen. Einfach herrlich die Technik von heute.

Liebe Grüße Svenja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mit Bestätigung der Schaltfläche "Kommentar abschicken" willige ich darin ein, dass die DiaExpert GmbH die von mir angegebenen personenbezogenen Daten für die Veröffentlichung meines Kommentars im DiaBlog verarbeitet und speichert. Meine Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft ohne Angabe von Gründen per E-Mail an datenschutz@diaexpert.de widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise..